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Das Gebiet von Wörgl war nach dem Befund von Ausgrabungen schon seit der frühen Eisenzeit (1000 v. Chr.) besiedelt;[17] auch reger Handel wurde damals bereits getrieben. So befinden sich beim Grattenbergl, dem Egerndorfer Feld und der Wimpissinger Schottergrube die umfassendsten prähistorischen Grabungsplätze Nordtirols. Ein Anziehungspunkt waren vorhandene Möglichkeiten zum Erzabbau des hier ausstreichenden Schwazer Dolomits; mit Sicherheit gab auch die Verkehrslage (Weg von den Kupfergruben um Kitzbühel zum Inntal) Anreize zum Entstehen von Siedlungen. Bereits damals führte eine römische Hauptstraße von Veldidena nach Iuvavum durch Wörgl, welche später als „Landtstraße Ordinarii“, „Wörgler Gassen“, „Kriegsstrassen“ oder „Salzburger Reichsstraße“ an derselben Stelle durch den Ort verlief wie die heutige B 171 Tiroler Straße als „Innsbrucker Straße“, „Andreas-Hofer-Platz“ und „Salzburger Straße“.

Bei der Ausgrabungsstätte im Egerndorfer Feld wurden etwa 500 rund 2500 Jahre alte Urnengräber freigelegt und detailliert untersucht.

Auch eine römerzeitliche Siedlung im heutigen Stadtgebiet ist nachweisbar. 1842 kamen im Anger des Unterkrumbacherhofes die Reste eines römischen Landhauses des 2. Jahrhunderts n. Chr. zum Vorschein, bei der eine Terra sigillata-Schale und bemalte Mauerteile gefunden wurden, die heute in Vitrinen der Hauptschule Wörgl 1 zu sehen sind. Die aus Geröllsteinen errichteten Wände hatten eine Mächtigkeit von etwa 70 cm. Die Ausstattung der Villa war durchaus luxuriös, der Fußboden bestand aus festem Estrich, in fünf Räumen wurden Wandmalereien gefunden. Ein Raum besaß eine Fußbodenheizung (Hypokaustum), die benötigte Warmluft wurde auch innerhalb der Wände zur Beheizung hochgeführt. Möglicherweise wurde die Heizung auch für ein Warmwasserbad (Caldarium) verwendet.[18]

St. Laurentius, der Pfarrpatron, weist auf eine vorgermanische Christianisierung hin und selbst noch in den Flurkarten der Jahre vor dem Bahnbau zeigen die Grundstücke an der damaligen Reichsstraße jene Quadratform und Größe, wie sie vom römischen Ackermaß her bekannt sind. Heute befinden sich am südlichen Stadtrand der Dallnhof, der städtische Bauhof, eine Bushalle und der neue Friedhof Süd innerhalb eines im heutigen Kataster erkennbaren römischen Ackermaßes (230 x 230 m). Im späten 6. Jahrhundert drangen die Bajuwaren in den Raum Wörgl vor.


Die erste Nennung Wörgls als Uuergile findet sich in einer Urkunde aus dem Jahre 1116, in der von einem Hartwich de Uuergile (Hartwich von Uuergile) die Rede ist.[9]

1255 wird in der Wiltener Urkunde erstmals die Wehrburg als ein castellum (lateinisch für „Festung“) erwähnt. Heute sind von ihr nur noch spärliche Mauerreste vorhanden. Sie befindet sich oberhalb des Ortsteiles Haus, rund 5 km östlich des Ortskerns. Ab 1310 wurde die Burg immer wieder als wichtiger Stützpunkt der herzoglich-bayrischen Herrschaft im Unterinntal erwähnt. Auch im Laufe des 14. Jahrhunderts taucht sie immer wieder in Urkunden und Dokumenten auf, bis 1363 das Haus Österreich die gefürsteten Grafen von Tirol stellte. Man konzentrierte sich von nun an auf die Burg Rattenberg und die Festung Kufstein. Die 1892 noch als „Burgstätten am Pfaffenberg“ bezeichnete Ruine wurde nicht mehr besetzt und geriet in Vergessenheit.[19] Heute erinnert noch das Wörgler Stadtwappen an die einstige regionale Bedeutung der Wehrburg.

1416 erfolgte eine administrative Aufteilung des Raumes Wörgl auf zwei Landgerichte. Die Grenzlinie des Wörgler Bachs soll auf die beiden Siedlungskerne – Wörgl-Kufstein besitzt einen germanischen, Wörgl-Rattenberg einen romanischen – zurückgehen.

Erst 1504 fiel das Land unterhalb der Zillermündung endgültig an die Gefürstete Grafschaft Tirol (Eroberung der Festung Kufstein durch den deutschen König und späteren Kaiser Maximilian).

Trotz der Zweiteilung des Orts waren ältere Gemeinsamkeiten weiterhin lebendig geblieben. Es gab wohl zwei „Dorfmeister“ (gewählte Dorfvorsteher, entspricht den heutigen Bürgermeistern) und zwei „Trüchl“ (Gemeindekassen), doch einen Namen, eine gemeinsame Kirche und eine einheitliche Wirtschaftsgemeinde, die Flur und Wald gemeinsam nutzte und miteinander die Lasten trug, wie der Dorfbrief von 1609 beweist, der ein aufschlussreiches Rechtsdokument über die Lebensumstände dieser Zeit darstellt.[20] Der Wörgler Dorfbrief erklärt gleich zu Beginn die Gemeindeordnung und die Stellung der zwei Dorfmeister:

„Anfenglichen und zwar vor allen alldieweilen wir gemelt das Torf abgethailt und under zweierlei Botmäsigkeit Jurisdiction ist, also sollen auch ein ganz Gemain und Dorfschaft alda zu Wörgl auß und unter ihr selbst, gleich wie es von alters her alwögen beshero geschehn, zwen Dorfmaister gesetzt werden.“

– Der Wörgler Dorfbrief von 1609 im Wortlaut (Ausschnitt)

Die Wahl der Dorfmeister fand jedes Jahr um den Martinstag (11. November) statt, die Gemeindeversammlungen wurden abwechselnd in den drei Gaststätten Kögltafern (heute Hotel Alte Post), Gratltafern (heute Neue Post) und Lamplhof (heute Gasthof zum Weißen Lamm) abgehalten.

1786 wurde die erste Wörgler Poststation in der Kögltafern eingerichtet, der erste Postmeister war der Wirt des Gasthauses. Bis dahin musste die Post stets in Kundl abgegeben bzw. geholt werden. 60 Jahre später besaß die Poststation acht Pferde und zwei Kutschen mit Postillionen, die das Gebiet von Kirchbichl bis Westendorf versorgten. Die „Post im Kögl“ (Alte Post) war bis 1891 in Betrieb, bis die Station über den Kirchplatz zur Gradltafern (Neue Post) übersiedelte.[21]

1815 wurden die beiden Ortschaften Wörgl-Kufstein und Wörgl-Rattenberg zu zwei eigenständigen politischen Gemeinden erklärt.

Mehrere namhafte Persönlichkeiten wählten in dieser Zeit die Gasthöfe von Wörgl als Übernächtigungsstätte während einer Durchreise. Beispielsweise nächtigten Kaiser Ferdinand II. und seine Gemahlin Eleonora am 4. und 10. Februar 1622 auf der Hin- und Rückreise von Innsbruck im Ort. Auch Leopold Mozart und sein Sohn Wolfgang Amadeus Mozart quartierten sich auf ihrer Reise von Salzburg nach Italien am 17. Dezember 1769 in einem Wörgler Hof ein. Von hier aus verfasste der junge Wolfgang seinen ersten Brief an seine Schwester Nannerl. Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart besuchten Wörgl auch in den Jahren 1771, 1772 und 1773.

Weiters reisten Kaiser Maximilian I. (1514 und 1515 je zweimal sowie 1518 „todkrank“),[22] Kaiser Leopold I. (1665), Herzog Karl von Lothringen-Commercy (mehrmals 1681/90), Prinz Eugen von Savoyen (1701 und 1717), Kaiserin Maria Theresia (1739 und 1765) und Kaiser Josef II. (1765 und 1777) u. a. entlang der Hauptstraße durch den Ort.

Am 13. Mai 1809 fand die entscheidende „Schlacht bei Wörgl“ im Tiroler Freiheitskampf unter Andreas Hofer statt. Um vier Uhr morgens brach Generalfeldmarschall Carl Philipp von Wrede von Ellmau aus mit seiner von Napoleon entsandten Truppe von über 10.000 Mann, die vor allem aus bayrischen und sächsischen Soldaten bestand, zur Rückeroberung Tirols in Richtung Wörgl auf. Die Tiroler Truppen unter Führung von General Chasteler waren bald umstellt und konnten nur durch das rasche Eingreifen einer verbündeten Kompanie befreit werden; die napoleonischen Truppen von Wredes wägten sich bereits in Siegeslaune. Um etwa 10 Uhr überschritten die österreichischen und bayerischen Truppen die Brixentaler Ache, und es begannen heftige Abwehrkämpfe am Grattenbergl, in Egerndorf und an der Grattenbrücke, der bei Wörgl einzigen Straßenbrücke über die Ache. Nachdem die Österreicher es geschafft hatten, die verrammelte Brücke zu überschreiten, begann eine weitere Schlacht in den östlichen Feldern vor Wörgl gegen die Bayern. Von Wredes Reiter konnten jedoch die österreichischen überrennen, und die bayerische Artillerie begann den Ort zu beschießen. Nachdem von Wrede das Dorf nördlich (zwischen Söcking und Kirche) umgangen hatte und die österreichische Linie von Westen her beschoss, waren die Österreicher um Mittag genötigt, den brennenden Ort zu räumen. Der Rückzug artete in eine Hetzjagd rings um Wörgl aus, bei der hohe Verluste zu beklagen waren. Am südlichen Bergrand waren heimische Schützen aufgestellt, um Truppen, welche den Ort südlich zu umgehen versuchten, aufzuhalten. Sie konnten den schwachen Truppen nicht mehr zu Hilfe eilen. Das Aufeinandertreffen kostete den Österreichern 38 Offiziere, etwa 1.000 Mann wurden verwundet, von denen 655 starben. Die Höhe der Verluste des napoleonischen Lagers ist nicht bekannt, es dürften aber insgesamt etwa 1.000 Soldaten gefallen sein. Das Dorf erlitt etliche Brände und Plünderungen.[24] Die Bayern, Sachsen und Franzosen zogen daraufhin brandschatzend und mordend durch das Unterinntal gegen Innsbruck, wo daraufhin die Zweite Bergiselschlacht stattfand. Das von Christian Plattner gestaltete und zum 100-jährigen Jubiläum 1909 eingeweihte Denkmal „Wörgler Reara“ vor der Stadtpfarrkirche erinnert an diesen Tag.

1842 starben mehr als 40 Menschen in Wörgl an einer Choleraepidemie. Immer wieder kursierten in Wörgl schwere Krankheiten, die von durchreisenden Menschen in den Ort mitgebracht wurden, 1896 litt die Stadt unter einer Typhusepidemie.

In den Jahren 1863/64 wurde das Siedlungsgebiet Wörgl zu zwei selbstständigen Gemeinden erhoben, Wörgl-Rattenberg und Wörgl-Kufstein, nachdem diese 1815 politisch eigenständig und 1854 als unselbstständige Fraktionen den Nachbargemeinden Kundl bzw. Kirchbichl angeschlossen worden waren.[25] Der Wörgler Bach bildete die Grenze zwischen den beiden Gemeinden und gleichzeitig zwischen den Gerichtsbezirken Rattenberg und Kufstein. Bis heute erinnert an diese bis 1910 bestehende Teilung, dass Wörgl aus zwei Katastralgemeinden besteht und daher zwei Grundbücher, die den alten Gemeindegebieten entsprechen, besitzt.

Der wirtschaftliche Aufstieg Wörgls begann mit dem Bau der Giselabahn in den Jahren 1873 bis 1875 und deren Anbindung an die 1858 gebaute Unterinntalbahn, wodurch Wörgl zum Eisenbahnknoten wurde. Der Wörgler Hauptbahnhof ist aus diesem Grund heute nach dem Innsbrucker Hauptbahnhof der meistfrequentierte in Tirol. Kaiser Franz Joseph I. dürfte etwa zehnmal mit der Eisenbahn Wörgl passiert haben, wobei er mit seiner Gemahlin Kaiserin Elisabeth dem Ort und der Dorfkirche auch einen Besuch abstattete. Nach der Ermordung der Kaiserin in Genf hielt der „Hofleichenzug“ am 24. November 1898 im Wörgler Bahnhof für eine Trauerfeier. Kaiser Karl I. passierte ebenfalls mehrmals per Bahn den Markt, am 5. Juli 1917 wurde er mit seiner Gattin Kaiserin Zita am Bahnhof empfangen. Auch Königin Victoria von England und Kaiser Wilhelm II. passierten den Ort mit der Eisenbahn. Adolf Hitler wurde bei einem Zwischenstopp in Wörgl am 6. April 1938 von zahlreichen Anhängern am Bahnhof begeistert begrüßt.

1891 erhielt Wörgl ein Pfarramt, als durch Order Kaiser Franz Josephs alle Vikariate der Monarchie zu Pfarren befördert wurden. In diese Zeit fällt auch ein erheblicher Bevölkerungszuwachs, so dass 1912 die Pfarrkirche erweitert wurde.

Am 31. Dezember 1910 wurden die Gemeinden Wörgl-Kufstein und Wörgl-Rattenberg („entern und herentern Bach“) vereinigt. Dabei gab es Schwierigkeiten, die Gemeinde Wörgl-Rattenberg vom Zusammenschluss zu überzeugen, da diese in der größeren Nachbargemeinde Wörgl-Kufstein aufgehen sollte. 1910 gelang es dem Wörgl-Rattenberger Dorfvorsteher Franz Gruber seinen Gemeinderat zu überzeugen, woraufhin dieser am 4. Juli der Fusion zustimmte. Wörgl-Kufsteins Zustimmung erfolgte bereits am 23. Juni 1910. Am 10. September tagten die beiden Gemeindevorstände gemeinsam zur Erklärung der Rechtsgültigkeit, der Tiroler Landtag stimmte am 3. November 1910 zu,[26] und einen Tag später willigte das k.k. Ministerium des Inneren ein.[27] Zum Zeitpunkt der Ortsvereinigung hatte Wörgl 4.232 Einwohner, von denen nur 1.280 Wörgler (etwa 30 %) waren, etwa 1.200 Bewohner kamen aus allen Teilen Tirols und Vorarlbergs, etwa 800 waren Bürger verschiedener österreich-ungarischer Kronländer, und weitere 700 stammten aus anderen Gemeinden im Bezirk. Bemerkenswert ist, dass schon damals etwa 200 ausländische Staatsbürger in Wörgl lebten. Am 28. März 1911 wurden die beiden vereinigten Dorfgemeinden Wörgl-Kufstein und Wörgl-Rattenberg unter Anwesenheit des Kaisers zum Markt erhoben. Zwischen Bahnhof und Dorfkern bot sich damals das Bild einer Pioniersiedlung im hitzigen Fortschrittsoptimismus der Gründerzeit. Im Zuge der Markterhebung übersiedelte der Gemeindevorstand in das erste Gemeindehaus, welches ein umgebauter Bauernhof war und an Stelle des heutigen Raiffeisenplatzes im Stadtzentrum stand.

Am 12. Februar 1934 griffen in Wörgl wie auch in anderen Städten Österreichs junge Sozialdemokraten zur Waffe, da sie nach der Machtergreifung Hitlers nicht mehr an eine friedliche Umgestaltung Österreichs glaubten. Wörgl war somit der westlichste Kampfschauplatz im österreichischen Bürgerkrieg. Im Bereich des Bahnhofes und der ehemaligen Zellulosefabrik kam es zu heftigen Schusswechseln zwischen dem sozialdemokratischen Republikanischen Schutzbund und der Heimwehr. Bürgermeister Michael Unterguggenberger und ein Kooperator konnten vom Landesgendarmeriekommandanten eine Verschiebung des Standrechtes auf 90 min erreichen. In dieser Zeit konnten die Schutzbundleute zur Aufgabe bewegt werden, wodurch es auf beiden Seiten zu zwei verletzten Männern, jedoch keinen Todesopfern kam. Das eintreffende Bundesheer konnte restliche Widerstände einstellen. Zwölf „Radelsführer“ wurden vom Landesgericht zur Strafe des schweren Kerkers verurteilt, Bundespräsident Miklas stellte jedoch 1935 das Strafverfahren gegen die 77 Arbeiter, die an den Kämpfen im Raum Wörgl beteiligt waren, ein.[32]

Bereits am 12. März 1938 rückten deutsche Soldaten, gefolgt von der SS-Standarte „Deutschland“, in Wörgl ein, wobei die SS-Männer bereits am 17. März wieder nach München abzogen. Nach zuerst einigen positiven Veränderungen wie dem Bau von Volkswohnungen und dem großen Arbeitsangebot durch weitere Projekte sowie aufblühenden Fremdenverkehr folgten rasch besorgniserregende Umstände wie der Ausbau des Garnisonsstandortes in Wörgl, die Auflösung einiger Vereine oder die Inhaftierung politischer Funktionäre.

Durch den Zweiten Weltkrieg wurde Wörgl schwer gezeichnet. Ab Ende 1943 war Wörgl im Luftkrieg alliierten Bombardements ausgesetzt, welche in den Wörgler Bombentagen am 22. und 23. Februar 1945 gipfelten. Im Rahmen der Operation Clarion (deutsch: „Fanfarenstoß“) starteten zahlreiche Luftangriffe ins Tiroler Unterland, welche am 22. Februar Wörgl erreichten. Die Alliierten beabsichtigten, den Bahnhof zu zerstören, doch aufgrund des dichten Nebels und der damit verbundenen schlechten Sicht verursachten 16,5 Tonnen abgeworfene Bomben eine großflächige Zerstörung, der anvisierte Bahnhofsbereich hingegen wurde kaum getroffen. Am darauffolgenden Tag fielen weitere 390 Tonnen in Form von über 1000 Bomben auf den Bahnhof, der dadurch vernichtet wurde. Die Bombardements dieser beiden Tage veränderten das Stadtbild Wörgls für immer und forderten 69 Menschenleben, davon 46 in Wörgl wohnhafte Menschen und 23 Fremde. 43 Häuser wurden gänzlich zerstört, 105 Häuser und auch die Pfarrkirche erheblich beschädigt.[33] Noch heute werden bei Bauarbeiten, insbesondere in der Bahnhofsumgebung, immer wieder Fliegerbombenblindgänger gefunden.

Mindestens zwölf Wörglerinnen und Wörgler starben in Konzentrationslagern und sonstigen Gefängnissen. Während des Zweiten Weltkrieges starben von 1939 bis 1945 an den Kriegsschauplätzen 236 Wörgler, 46 Soldaten gelten als vermisst.

Nur zehn Tage nach dem Antrag der Gemeinde auf Erhebung zur Stadt erfolgte am 16. Februar 1951 auf Initiative des damaligen Wörgler Bürgermeisters und Vizepräsidenten des Tiroler Landtages, Kommerzialrat Martin Pichler, die Zustimmung des Tiroler Landtags. Der Meilenstein wurde mit einem dreitägigem Festakt (17. bis 19. August) gefeiert. Am 19. August wurde Bundespräsident Theodor Körner am Bahnhof empfangen, es folgte ein Festgottesdienst mit Fürsterzbischof Andreas Rohracher und ein Festumzug durch die Stadt mit 112 beteiligten Gruppen und etwa 30.000 Zuschauern.[35]

Am Dienstag, den 23. August 2005 wurde Wörgl durch ein Jahrhunderthochwasser stark in Mitleidenschaft gezogen. Um etwa 16:00 Uhr brach hochwasserbedingt am Pumphebewerk Aubach – bei welchem das mitgeführte Wasser einiger Bäche auf das etwas höher gelegene Fließniveau des Inn hochgepumpt wird – der Trenndamm, welcher das Wörgler Becken vom Inn trennte, auf einer Länge von etwa zehn Metern auf. Daraufhin wurde im westlichen Stadtbereich massiver Wassereinbruch registriert. Durch den Dammbruch wurde eine Fläche von etwa 80 ha von geschätzten 1,4 Mio. m³ an schlammigem Wasser aus dem Inn rund zwei Meter hoch überflutet. Die Evakuierung wurde mittels Feuerwehrbooten bewerkstelligt, in den darauffolgenden Stunden eilten Feuerwehren von Südtirol bis Niederösterreich nach Wörgl, um der Wassermassen Herr zu werden. Geplatzte Öltanks erschwerten die Arbeiten. Durch dieses Jahrhundertereignis wurden etwa 200 Gebäude, zwei Einkaufszentren und mehrere Lagerhäuser überschwemmt, einige Gebäude wurden unbewohnbar. Im neuen Erlebnisschwimmbad „WAVE“ im Westen der Stadt wurde die 2.500 m² große Saunalandschaft etwa sechs Meter hoch überflutet. Die Inntal Autobahn musste zwischen den Abfahrten Wörgl West und Wörgl Ost aufgrund Unterspülungen gesperrt werden. Ohne diesen Dammbruch wäre auch Kufstein ein Opfer des Hochwassers geworden, da dort der Innpegel in diesem Zeitraum bereits kritische Höhen erreichte. In Wörgl traten zudem auch die Brixentaler Ache sowie der Wörgler Bach an deren Mündungsbereichen in den Inn über die Ufer. Die Reinigungs- und Wiederaufbauarbeiten nahmen mehrere Wochen in Anspruch. In Folge bemühte sich die Gemeinde, den Hochwasserschutz zu verbessern, beispielsweise wurde der Damm durch mehrere Pumprohre in den Inn ersetzt.[36]

2010 wurde der Bau des lange Zeit geplanten Tyrol Tower ad acta gelegt.

Heute ist die Schulstadt Wörgl die zweitgrößte Stadt im Bezirk Kufstein und eines der wichtigsten Wirtschaftszentren in Westösterreich sowie in Bezug auf Einzelhandelsumsätze die wichtigste Stadt im Tiroler Unterland. Seit 1992 ist die Stadt Mitglied im Klimabündnis Tirol.








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